"Unter den guten und notwendigen Gaben, die Gott mir geschenkt hat, seid ihr eine der wichtigsten." (hl. Angela - Vorwort aus dem Testament)

 

Auf verschiedenen Wegen kamen die Ursulinen im 17. und 18. Jahrhundert nach Bayern. Der Weg führte von Bordeaux über Lüttich und Meßkirch nach Landshut und von dort nach Straubing. Nach vierjährigen Verhandlungen machten sich fünf Ordensfrauen aus Landshut auf Befehl des Kurfürsten Maximilian Emanuel auf nach Straubing.

Die Chronistin schreibt: „Im Namen und zur Ehre der Allerheiligsten Dreifaltigkeit, der Unbefleckten Empfängnis und der Hochheiligsten Familie kurzer Bericht über die im Jahre 1691 den 17. Januar angefangene Stiftung bei der Unbefleckten Empfängnis Maria in Straubing. Eine Deputation des Magistrats, der Bürgerschaft, der Geistlichkeit und des Adels ... ist uns bis Pfatter entgegengefahren. In Rain schloss sich eine zweite Begleitschaft von vielen hochadeligen Frauen ... an. Das Volk selbst eilte bis Frauenbrünnl entgegen und unter Vivatrufen der Menge ging es in langem Zuge der Stadt zu. ... Die mit hochfeierlichem Pluviale bekleidete Geistlichkeit erteilte uns Klosterfrauen die Benediktion." ... Die Klosterfrauen versprachen: „Wir werden die Jugenderziehung als das Hauptziel unseres Daseins und als die wesentliche Pflicht unseres Institutes jederzeit betrachten und diese unsere obhandene Schuldigkeit mit ungespartem Fleiße und fortwährendem Eifer getreulich erfüllen."
An die kirchliche Feier schloss sich ein Abendessen an. Dann zeigte man den Klosterfrauen die Wohnung: ein kleines Zimmer und eine Kammer. Die fünf Klosterfrauen, die Ausgeherin und der Zögling hatten nur vier Stühle und ein kleines Bänkchen. Die Speisen waren „wenig und gering". Und trotzdem schreibt Mater Ignatia in den Annalen: „Wir mussten oft herzlich lachen, wenn wir unsere Armut, Unbequemlichkeit und die wenigen Hausgeräte betrachteten. Gott entschädigte uns mit reichem Seelentrost." Schon am ersten Tag begann man mit den geistlichen Übungen, wie sie die Regel vorschrieb.

Den Klosterfrauen war der „Passauer Hof" vermacht worden, aber dieser war so baufällig, dass sie ihn verkauften und ein Haus des Barons von Riesenfeld in der damaligen Bruckgasse, der heutigen Burggasse, erwarben. Mit dem Einzug in dieses Haus am 19. März 1691 begann das eigentliche monastische Leben. Es kam ihnen vor wie ein kleines „Paradies". Am folgenden Tag las der Rektor der Jesuiten die erste hl. Messe in einem eigens dazu vorbereiteten Zimmer. Auf dem Altar stand die schmerzhafte Muttergottes, die die Schwestern als besonderes Vermächtnis von ihrem Mutterkloster mitbekommen hatten.

Am 3. Juni, dem Pfingstfest, ließen die Klosterfrauen von den Kanzeln verkünden, dass die Ursulinen nun mit den Schulen beginnen. Im Erdgeschoss waren die Schulzimmer eingerichtet worden. Als am 11. Juni die Schule eröffnet wurde, kamen 106 Kinder zum Unterricht. Sehr bald stieg die Zahl auf 200. Auch Zöglinge (Internatsschülerinnen) kamen in den ersten acht Tagen. Die Chronistin schreibt: „Die Armen riefen wir, die Reichen kamen von selbst." Die schulische Tätigkeit der Schwestern wurde in wertvoller Weise durch die Zusammenarbeit mit den Jesuiten ergänzt.

Nun gingen die Klosterfrauen daran, eine kleine Kapelle zu gestalten. Die Schwestern wählten als Tag der Einweihung das Fest ihres Regelvaters, des hl. Augustinus, den 28. August 1691. Gleichzeitig wurde die Klausurpforte eingerichtet. Die Klosterfrauen begrüßten die „unvergleichlich glückselige, über alle irdischen Königreiche erhabene Klausur". Die Schwestern weihten das Kloster der Unbefleckten Empfängnis.

Am 21. Oktober, dem Fest der hl. Ursula und ihrer Gefährtinnen, wurde die erste Novizin eingekleidet.

1693/94 und 1697 konnten die Schwestern zwei weitere Häuser erwerben, die als Schule umgebaut wurden.

1697 schenkte H.H. Weihbischof von Regensburg dem Kloster den Leib des hl. Martyrers Asterius und vier hl. Hirnschalen und Schien- und Armbeine.